Kleine

Segelschule

für kleine

Boote

Segeln ist zwar immer noch ein königlicher Sport, aber heutzutage brauchen wir zur Ausübung keine königlichen Einkünfte mehr zu haben. Selbst mit den kleinsten Booten kann man recht sportlich segeln und sehr viel Freude haben.
Segeln ist ein schöner und leiser Sport mit Bewegung in gesunder, staubfreier Luft. Ohne übertriebene körperliche Anstrengung dürfen wir in Wettkämpfen unser Können unter Beweis stellen, wie man am besten die Elemente überlistet.
Den Anfängern unter uns wollen wir jetzt in knapper Form wenigstens die Grundbegriffe vermitteln. Es kann natürlich bloß Theorie sein. Für die ersten Versuche in der Praxis sollte schon ein erfahrener Kamerad zur Seite stehen.
Unser Boot legen wir so an, daß der Wind möglichst von vorne kommt; dann takeln wir auf. Wie man das richtig macht, wollen wir hier nicht behandeln, dafür gibt es für jedes Boot genaue Aufbauanleitungen. Die Schoten müssen lose und klar liegen, damit sie sich nirgends verhaken; eine seitlich einfallende Bö könnte sonst leicht unser Boot umwerfen. Nun steigt der Vorschotmann zuerst ins Boot und hält sich wenn möglich noch ein wenig an Land fest, bis auch der Steuermann ins Boot gestiegen ist. Bevor wir ablegen, überzeugen wir uns davon, daß die Segel richtig gesetzt sind. Das Vorsegel darf am Vorliek keinesfalls durchhängen. Dann werfen wir die Vorleine los. Natürlich, wenn vorhanden, auch die Achterleine. Nun schauen wir noch einmal nach Lee, ob dort kein Hindernis in unserer geplanten Fahrtrichtung liegt.
Dann holen wir die Vorschot und danach die Großschot an, bis die Segel gut vollstehen. Nun fallen wir etwas nach Lee ab und segeln, sofern wir genügend Raum haben, mit seitlichem, halbem Wind. Ist es nicht möglich, gleich vom

Ufer aus den gewünschten Kurs anzusteuern, hilft man sich am besten mit einer Paddelhälfte, man rudert das Boot damit in den Wind. Auf unserem Kurs mit halbem Wind lernen wir unser Boot schnell beherrschen. Wir suchen uns am Ufer einen festen Punkt, ein Haus, einen Baum oder ein anderes markantes Zeichen und steuern diesen Punkt möglichst in geradem Kurs an. Die Segel stellen wir mittels der Schoten so, daß sie grad eben voll stehen und nicht killen. Haben wir auf diese Weise erkannt, wie das Boot auf Ruder und Segel reagiert, dann holen wir das Segel an und gehen an den Wind. Zunächst wollen wir einmal über Backbord segeln. Die Schoten haben wir auf dieser Seite so angeholt, daß die Segel in ziemlich spitzem Winkel zur Mittschiffslinie stehen. Auf diese Weise können wir mit einem Winkel von 40-45° gegen den Wind segeln. Wir bemühen uns dabei, so hoch gegen den Wind zu segeln, daß das Großsegel an seinem Vorliek eben anfangen will zu killen. Weil es das aber nicht wirklich tun soll, fallen wir wieder etwas nach Lee ab und segeln unseren Kurs weiter.

Nun kommt aber Land voraus; wir müssen also wenden! Wenden bedeutet nichts anderes, als Ändern der Fahrtrichtung gegen den Wind.

Die Kommandos für dieses Segelmanöver sind: „Klar zum Wenden!" zur Vorbereitung und „Ree!" zur Ausführung. Auf „Ree" legen wir das Ruder so, daß das Boot anluvt und mit dem Bug durch den Wind geht, bis er von der anderen Seite wieder einfällt. Die Vorschot wird bei „Ree" kurz losgelassen und dann in der neuen Windrichtung, genau wie der Großbaum in die richtige Stellung gebracht. Ein anderes Manöver, um auf einen neuen Bug zu kommen, ist das Halsen. Hierbei geht das Boot mit dem Heck durch den Wind. Die Kommandos dafür sind:„Klar zum Halsen!", „Hol dicht Großschot!" und „Rund achtern!". Beim Halsen fällt man vom Wind so weit ab, daß der Wind von achtern kommt. Dann wechselt man mit der Großschot von der einen auf die andere Seite und fährt nach der neuen Richtung weiter, bis man wieder hart am Wind ist. Das Großsegel wird der Bootsrichtung entsprechend angeholt. Bei starkem Wind ist dieses Segelmanöver nicht zu empfehlen.

Und nun geht's zurück zum Heimathafen: Jetzt bläst der Wind von achtern. Na, das ist ja ganz einfach, denken wir, aber Vorsicht ist doch angebracht. Der Wind kommt nämlich in unseren Revieren nicht immer aus genau der gleichen Richtung, und darin liegt beim Segeln vor dem Wind eine gewisse Gefahr. Sie wird umso kleiner, je mehr man sie kennt und beachtet.
Für unseren Vor-dem-Wind-Kurs haben wir das Großsegel weit aufgefiert, so daß der Baum ungefähr im rechten Winkel zur Mittschiffs-Linie steht, und auch das Vorsegel haben wir weit herausgelassen.-Solange nun das Vorsegel noch gut vollsteht mit dem von der Luvseite einfallenden Wind, geht alles klar. Kommt aber der Wind plötzlich von einer anderen Seite - das Killen des Vorsegels ist dafür ein untrügliches Zeichen - kann das Großsegel ganz plötzlich auf die andere Seite überschlagen. Bei einer stärkeren Brise kann die Gewalt sehr groß sein; so groß, daß unser Boot Gefahr läuft zu kentern. Und das wollen wir doch unter allen Umständen vermeiden.
Wir müssen also darauf achten, daß der Wind unser Segel immer von Luv trifft. Auf den Verklicker als Windrichtungs-Anzeiger ist leider nicht immer Verlaß, weil der Fahrtwind ihn aus der wahren Windrichtung ablenkt. Können wir nun - trotz aller Bemühungen - auf diesem Kurs unser Ziel nicht direkt erreichen, dann müssen wir das Großsegel auf die andere Seite nehmen. Wir müssen „schiften", um eine unfreiwillige Halse zu vermeiden. Und das machen wir so: Wir steuern unseren Kurs genau weiter, holen die Großschot schnell dicht und fieren sie ebenso schnell auf, sobald das Großsegel nun ohne Ruck und ohne Gewalt auf die neue Leeseite übergegangen ist.
Nun nähern wir uns dem heimatlichen Steg, an dem wir wieder anlegen wollen. - Wir halten einigen Abstand von ihm.Sobald wir seine Spitze etwas querab haben, holen wir unsere Segel dichter, segeln also mit halbem Wind auf den Steg zu, um schließlich in seiner nächsten Nähe „in den Wind" zu gehen! Dann lassen wir das Boot parallel zum Steg auslaufen und machen mit der Vorleine an ihm fest. Nun Segel herunter! Vorsegel zuerst. Boot aufklaren und an seinem Liegeplatz im Schuppen verwahren oder für den Transport fertigmachen.

War das nicht schön für den Anfang? Und doch so einfach!







Quelle: 
Einlage im Klepper Faltblatt: 
AERIUS-FALTBOOTE for Sailing 
von H.S. Walther GmbH
 

Aerius for Sailing / Aerius - ein Segelboot / Takelanleitung S4-Besegelung / Kleine Segelschule

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12/2001